lebensZEITraum (AT)

- ein theatraler Video-Walk zur Geschichte einer Nürnberger Stadtvilla

VON: kapfwiesers RAUMFLOTTE

Niklas Kammermeier (Medienwissenschaftler, Theatermacher, interdisziplinärer Künstler)// Maria Pfeiffer (Szenografin)// Elena Zieser (Audiokünstlerin)// Felix Hörath (Kulturwissenschaftler,Kurator)// Simira Tang (Kulturmanagerin)

 

UNTERSTÜTZT VON: VILLIBALD - raum & kultur
GEFÖRDERT VON: Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Stadt Nürnberg

 

Ein interdisziplinäres Team möchte die außergewöhnliche Geschichte der Pirckheimerstraße 32, einer alten Stadtvilla im Nürnberger Norden, erzählen. Aufbauend auf einer bereits durchgeführten und mit einer Prozessförderung des Fonds Darstellende Künste und der Stadt Nürnberg finanzierten, umfassenden Archiv-, Recherche- und Konzeptionsarbeit im Jahr 2022 soll im Sommer 2023 die künstlerische Umsetzung erfolgen: In den Räumlichkeiten des Kreativortes “VILLIBALD” soll ein theatraler Video-Walk entstehen, der die Geschichte des Hauses in einen dauerhaft zugänglichen Parcours des Erinnerns verwandelt. Die innovative Theaterform stellt sich die Frage, wie wir multiperspektivisch erinnern können und was dies für unsere gegenwärtige und zukünftige Gesellschaft bedeutet. 

 

lebensZEITraum ist das zweite Projekt des 2021 gegründeten Kollektivs “kapfwiesers RAUMFLOTTE”. 2021 entstand die vom Fonds Darstellende Künste geförderte theatrale Medieninstallation “Gritta vom Dach” (eingeladen auf das internationale Theaterfestival Panoptikum 2022). 

 

 

WAS BISHER GESCHAH

Vorbereitungs- und Recherchephase (2. + 3. Quartal 2022)

Seit Anfang des Jahres 2022 erforschen kapfwiesers RAUMFLOTTE die Geschichte der gelben Villa in der Pirckheimer Straße 32 in Nürnberg. Die Prozessförderung des Fonds Darstellende Künste und die Projektförderung der Stadt Nürnberg ermöglichten es dem Team, in nationalen und internationalen Archiven zu forschen, eine Recherchereise nach Südfrankreich zu unternehmen, Familienangehörige und Zeitzeug*innen zu interviewen und den Rat von Expert*innen einzuholen. Die Funde des Teams geben einen tiefen Einblick in persönliche Geschichten der NS-Zeit, vor allem aber ihre Nachwirkungen bis weit in die jüngste Gegenwart. 

Die Nürnberger Stadtvilla in der Pirckheimerstr. 32 ist ein Spiegel des städtischen kollektiven Gedächtnisses: In ihr spiegeln sich jüdische Kultur, die durch Gewalt, Enteignung und Vertreibung zerstört werden sollte, die juristische Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus, Geschlechterverhältnisse im Nachkriegsdeutschland, das Schaffen von Gegenentwürfen durch Kunst und Kultur und die Suche nach Identität durch künstlerische Auseinandersetzung. Quer durch die Jahrzehnte finden sich Fragen nach Recht und Unrecht, nach der Rolle der Frau, nach Opfer- und Täterschaft, nach passivem Erleiden, aktivem Widerstand und kreativer Lebensgestaltung – und immer wieder: Was wurde erinnert, was wurde vergessen? Von wem? Und warum?

Konzeptions- und Entwicklungsphase (4. Quartal 2022)

Im Oktober und November 2022 beschäftigte sich das Team intensiv mit Fragen und Problemen der gegenwärtigen Erinnerungskultur und entwickelte davon ausgehend ein Inszenierungs- und Aufführungskonzept. Dabei kristallisierte sich das Format eines interaktiven Video-Walks als geeignete Umsetzungsform heraus: Das Team greift eine bereits im Vorprojekt „Gritta vom Dach“ erfolgreich erprobte Form auf und entwickelt diese weiter. Entstehen wird ein Schauspiel ohne ko-präsente Schauspieler*innen, das mit videografischen und auditiven Mitteln die Räumlichkeiten des VILLIBALD in eine Bühne transformiert. Die Zuschauenden werden dabei nicht zu distanzierten Beobachter*innen, sondern in eine aktive Position des Erforschens, Eintauchens und Interagierens mit der Vergangenheit versetzt. 

 

WAS JETZT PASSIEREN SOLL

Produktionsphase 

Im Jahr 2023 soll das entwickelte Konzept realisiert werden. Geplant sind mehrere Aufführungen im Sommer 2023 und eine anschließende dauerhafte Zugänglichkeit der Inszenierung. 

Der theatrale Video-Walk in der Nürnberger Stadtvilla wird den gegenwärtigen erinnerungskulturellen Anforderungen durch die Schaffung eines alltäglichen multiperspektivischen Erinnerungsraums gerecht und fördert durch subversive Elemente eine aktive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. 

 

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